Donnerstag, 17. November 2011

Portugal: Reisebericht Madeira (Blumeninsel im Atlantik)

Kapitel 1

Wieder einmal war keine Zeit im Sommer für einen Urlaub gewesen. Also mussten wir uns ein Ziel für das Ende des Jahres suchen, das einem warmen Sommerurlaub am nächsten kommen würde. Es sollten zwei Wochen werden und die Winterjacken sollten zuhause bleiben. Aber wohin nur? Griechenland kam nicht in Frage, da im Winter dort alles geschlossen ist und sowieso keine Flüge mehr gehen. Mal ganz abgesehen von der momentanen politischen Situation. Und Mallorca schied auch aus. Dort waren wir bereits zweimal über Sylvester gewesen. Nach mehreren Fehlversuchen mit der „dreh den Globus, stopp ihn mit einem Finger und dort geht’s hin“-Methode fiel unser Augenmerk auf Madeira. Die Infos im Internet zu der Insel im nordatlantischen Ozean lasen sich nicht schlecht, darum wurde schnell ein Reiseführer bestellt. Aufgrund der guten Erfahrungen wurde es der Führer vom Michael-Müller-Verlag. Schließlich stand die Entscheidung fest: 14 Tage dem grauen deutschen Winterwetter im Südteil der Blumeninsel Madeira entgehen. Jetzt fehlten nur noch Ort und Hotel. Der Ort sollte nicht zu weit vom Schuss entfernt liegen, das Hotel kein großer Klotz mit 500 Zimmern sein aber möglichst einen Innenpool haben, da Madeira eigentlich keine Sandstrände besitzt und der Atlantik um diese Jahreszeit eh ziemlich kalt sein wird. Mit Hilfe von Holidaycheck wurde es schließlich das Sporthotel Galosol (97% Weiterempfehlungsquote) in Canico de Baixo. Im Reisebüro unseres Vertrauens wurde die Reise gebucht. Ward Ihr schon mal auf Madeira? Wir also noch nicht, aber wir hatten schon einiges über den Flughafen gelesen: einer der gefährlichsten mit kurzer Landebahn, bösen Scherwinden und so… (genauer gesagt liegt er auf Platz neun der Rangliste der gefährlichsten Flughäfen der Welt). Schluck, na dann schau’n wir mal. Schlimmer als auf Skiathos kann es eigentlich nicht werden. Oder?


Tag 1: Anreise

Am 17.11.11 ging die Reise dann los. Nach einem ruhigen Flug ab Dortmund (mit Zwischenlandung in Nürnberg) setzte der Flieger nach 4:30h um die Mittagszeit zur Landung an. Aber wo war die Insel? Eine enge 180 Grad Kurve gab schließlich den Blick auf die Südküste von Madeira frei. Die Häuser kamen immer näher und plötzlich setzte unser Flugzeug auf, gefolgt von einer recht kräftigen Verzögerung. Den Blick aus der Kabine (wir saßen auf der Backbordseite) während der Landung könnt Ihr in unserer Filmgalerie nacherleben. Relativ schnell erhielten wir auch unsere Koffer und bestiegen einen Mini-Bus zusammen mit anderen Mitreisenden. Spätestens jetzt wurde man gewahr, dass es hier mindestens 15 Grad wärmer war als bei unserem Abflug in Deutschland. Wie gut, dass wir dem Zwiebellook den Vorzug gegeben hatten und nun etliche Klamotten loswerden konnten. Der kleine Bus war Sporthotel Galosol, Madeiraeigentlich schon voll, aber plötzlich mußten noch zwei Personen zusätzlich mitgenommen werden. Na ja, in südlichen Ländern klappt das immer: mit viel Drücken und kalt wurde einem so auch nicht ;-). Die folgende von reichlich Sonnenschein begleitete Fahrt führte vorbei an etlichen Palmen, ein Stück über die Küstenautobahn, durch Tunnel und endete schon nach ca. 15min in Canico de Baixo vor unserem Hotel Galosol.
Es sah vielversprechend aus, leider war unser Zimmer noch nicht bezugsfertig. Schade, denn wir waren seit 03:00 Balkonblick Sporthotel Galosol, MadeiraUhr auf den Beinen und wollten mal selbige endlich hochlegen. Nach einer halben Stunde war es dann doch soweit und eine Angestellte der Rezeption brachte uns zu unserem Zimmer, das nicht im Haupthaus lag, sondern in den Nebengebäuden auf der anderen Seite einer zum Meer führenden Stichstraße. Was für ein Blick bot sich uns von unserem Balkon: über die schön gestaltete Hotelanlage vorbei an einer Palme auf den Atlantik bis zum Horizont. Einfach traumhaft. Gegen 17:00 Uhr sollte dann ein Treffen mit der Gästebetreuung stattfinden, die uns dann die weitläufige Hotelanlage ein wenig näher bringen würde. Diese Führung sollte man schon mitgemacht haben, denn sonst war es schwer für Neuankömmlinge, die Pools, die Restaurants, den Spa-Bereich u.s.w. wiederzufinden. Außerdem stand eine Begrüßung der Hotelleitung mit einem einheimischen Cocktail (Madeira-Wein) auf dem Programm. Was während Restaurant Galomar vor Renovierung, Sporthotel Galosol, Madeiraunserer Führung ein wenig stutzig machte, war der knappe Hinweis der Gästebetreuerin, daß vier Tage nach unserer Ankunft im Haupthaus Renovierungen durchgeführt werden sollten. Es wurde aber versichert, daß diese Arbeiten „so durchgeführt würden, daß der Gast nichts davon mitbekäme“. Dies sollte, vorsichtig gesagt, nicht so ganz der Wahrheit entsprechen, wie sich später noch herausstellen sollte. Jetzt stand aber erst mal richtig ankommen, ausruhen, auspacken und dann das Abendessen im Galomar-Restaurant auf dem Programm. Das Restaurant war gemütlich gestaltet und bot einen tollen Blick über die sich direkt anschließende Terrasse mit dem Süßwasser-Pool auf das Meer hinaus. Nachdem wir wieder gestärkt waren, machten wir uns auf, die nahegelegene Bushaltestelle zu suchen und von dort aus nach Canico zu fahren (zur Erinnerung: unser Hotel war in Canico de Baixo), um dort im Supermarkt Getränke zu kaufen (die höheren Preise im zum Resort gehörenden Mini-Markt wollten wir nicht bezahlen). Interessanterweise lagen die Kosten für die einfache Fahrt ein paar Stationen den Berg hinauf nur unwesentlich unter den Kosten für die wesentlich weitere Fahrt in die Hauptstadt Funchal (1,10€ zu 1,75€). Der Rückweg wurde zum Fußweg, da wir im Dunklen die Bushaltestelle nicht fanden. Zu dem Zeitpunkt wußten wir nämlich noch nicht, daß auch die kleinen Schilder an Laternen ein Haltestelle darstellten. Na egal, es war ja noch schön warm.


Fr. 18.11.11

Unseren ersten richtigen Urlaubtag ließen wir richtig ruhig angehen. Nur ein wenig durch die Anlage schlendern, die Seele baumeln lassen und die nahe Hotel Atlantico, MadeiraUmgebung erkunden stand auf dem Programm. Ein kurzer Abstecher zu dem 300m westlich gelegenen Schwesterhotel des Sporthotels Galosol, dem Hotel Atlantico, zählte auch dazu. Auch eine nette Anlage direkt oberhalb des Atlantiks, mit Liegewiese inkl. Palme und kleinem Spa-Bereich. Östlich von unserem Hotel, der Sackgasse folgend, kamen wir an einigen Restaurants und Geschäften vorbei. Nicht zu vergessen war auch der hier mit einer Außenstelle vertretenen Auto- und Motorradverleiher Magoscar/Magosbike. Mich interessierten sofort die davor stehenden Bikes Marke BMW, angefangen von einer 650er bis hin zur „dickeren“ 800er. Hier mußten wir morgen unbedingt hin, da wir auch diesmal wieder in unserem Urlaub mobil sein wollten. Anders wäre es auch schwer, alle möglichen Ecken der Insel kennenzulernen. Freunde, auch Motorradfahrer, haben uns zwar davon abgeraten, auf Madeira Motorrad zu fahren, aber für mich stand der Entschluss schon fest, zumal die Motorräder nicht nur optisch einen sehr guten Eindruck machten und Madeira zudem DIE Motorradfahrer-Insel sein sollte. Also morgen gleich nach dem Frühstück nichts wie hin.

Kapitel 2

Sa. 19.11.11

Wie schon am Vortag vorgenommen, ging es gleich nach dem Frühstück zu Magoscar/Magosbike. Eigentlich hatte ich vor, zum Eingewöhnen an die Straßen von Madeira (viele Kurven, starke Steigungen) erst ein Auto und dann ein Bike zu mieten, aber für den Folgezeitraum hatte schon eine Gruppe vorreserviert. Also doch erst ein Motorrad und dann ein Auto. Die kleinste Maschine mit 650ccm und 50PS war auch schon verliehen und so wurde es für fünf Tage (länger BMW F650GS Twin, Madeiraleider nicht verfügbar) eine BMW F650GS Twin mit 800ccm, 71PS, ABS und Griffheizung. Auch nicht schlecht ;-). . Warum wir überhaupt ein Auto zusätzlich haben wollten? Ganz einfach: ein Motorrad dieser Klasse kostete in etwa das Doppelte von einem Auto. - Kurze Zeit später war es soweit und ein Angestellter brachte uns mit dem Auto in östlicher Richtung zu der Garage von Magoscar in der Nähe von Assomada (Autobahnabfahrt Nr. 17), wo wir unsere vollgetankte BMW in Empfang nehmen sollten. Nachdem wir unsere eigenen von Deutschland mitgebrachten Motorradklamotten angezogen hatten, machte ich erst mal allein einen kurzen Abstecher, um die Maschine etwas besser kennenzulernen. Da auf dieser Insel irgendwie alles am Berg liegt, führte mich meine erste Fahrt gleich steil den Hang hinauf. Blick auf Funchal, MadeiraUih, war die BMW eine „Kletterziege“, wie geschaffen für steile Serpentinen. Auch zu zweit alles kein Problem, nur die Blinkerschalter, BMW-typisch links und rechts, waren bei diesem Modell etwas gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir wieder an unserem Hotel angekommen waren, machte ich noch solo eine kleine Spritztour, um das Fahrverhalten noch besser kennenzulernen ;-). Die Fahrt führte mich unter Umgehung der Autobahn über etliche Kurven die Küste entlang Richtung Funchal. Woah, war das plötzlich eine tolle Aussicht auf die Hauptstadt von Madeira. Alles lag vor mir, das Meer, die Stadt und der Hafen mit den Kreuzfahrtschiffen. Auch eine Aida zählte dazu. Da wir letztens mit der AIDAluna in der Karibik waren, trieb mich die Neugier weiter nach Westen zum Hafen. Mitten durch die quirlige Stadt, durch Kreisverkehre und vorbei an der Promenade erreichte ich den Kai, wo ich schließlich von einem freundlichen Security-Mann gestoppt wurde. Ab hier bis zur AIDA sollte es nur noch zu Fuß weitergehen. Schade, wäre am liebsten bis zum Schiff durchgefahren ;-). Bei dem Anblick wurden tolle Erinnerungen an unsere Hochzeitsreise wach. Auf dem Rückweg zum Hotel fand ich leider in dem Straßengewirr von Funchal die Zufahrt zur Küstenstraße nicht wieder und landete doch auch der Autobahn (das Vermeiden der Küstenautobahn sollte auch in Zukunft ein Problem werden und lässt sich nur das Einprägen von Namen kleiner Ortschaften umgehen). Kaum war ich auf der kurvigen zweispurigen „Rennstrecke“, da fing es auch schon an, ein wenig von oben zu tröpfeln. Mist, gleich bei der ersten Tour eine durchnässte Jeans bekommen. Also auf den nächsten Tunnel hoffen. Der ließ auch nicht lange auf sich warten und kaum war ich wieder aus diesem heraus, schien die Sonne schon wieder. Madeira halt. Mit Schauern musste man immer mal rechnen, aber lange dauerten sie nie an. Uns gab man auch später noch den Wetter-Tipp, bzgl. der Tour-Planung flexibel zu sein: wollte man auf der Südhälfte der Insel an einem Tag in den Westen fahren und dort regnete es, so sollte man an diesem Tag umdisponieren und den Osten anfahren und umkehrt. Fast eine Garantie, dass man immer schönes Wetter hatte. Weil ich meine erste Tour so toll fand, habe ich sie, gleich nachdem ich wieder im Hotel war, mit meiner Frau nochmal wiederholt. Es war doch noch viel schöner, solche Eindrücke zusammen zu erleben. Bevor sich dieser Tag dem Ende zu neigte, genossen wir noch ein leckeres Abendessen in netter Atmosphäre im Restaurant Galomar unseres Hotels. Dies hätten wir noch weit mehr genossen, wenn wir jetzt schon gewusst hätten, was uns diesbezüglich in der nächsten Zeit noch erwarten würde.


So. 20.11.11

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei herrlichstem Wetter auf der tollen Poolterrasse vor dem Restaurant Galomar (s. auch Video) sollte Poolterasse Galomar, Madeiraes die Küstenstraße gen Osten nach Machico und Porto da Cruz gehen. Immer darauf bedacht, die landschaftlich schönere und auch ruhigere Küstenstraße zu erwischen. Also fuhren wir über etliche Serpentinen nach Gaula und Santa Cruz in Richtung Flughafen (weitere Bilder und die nachverfolgbare Route findet Ihr in unserer Bildergalerie 5). Kurz hinter Santa Cruz nach einem Kreisverkehr schien plötzlich die Straße im Nichts zu verschwinden. Wir konnten gar nicht sehen, wo sie weiterging. Man sah nur noch das Meer und die Landebahn des Flughafens im Hintergrund. Beim Näherkommen sahen wir den Grund: die Straße hatte bei dieser Ausfahrt des Kreisverkehres ein Gefälle von bestimmt 16%. Vorsichtig rollten wir steil bergab und gelangten so unter die von etlichen Stützpfeilern getragene Landebahn. Interessanterweise lagen hier auch etliche Segel- und Sportboote (s. auch während der Fahrt gefilmtes Video in unser Film- und Bildergalerie). Doch wo war die Küstenstraße nach Machico? Weg. Also doch wieder auf die Küstenautobahn und die nächste Abfahrt wieder runter. So erwischten wir doch noch die Straße oberhalb der Landebahn und nach Umfahrung eines Bergvorsprungs lag schließlich Machico vor uns. In der Nähe des Ortseinganges, wo auch die Autobahn wieder aus dem Tunnel kommt, erwischte uns ein Machico, MadeiraNovember-Regenschauer. Da es um 20 Grad warm war und er nur von kurzer Dauer, beschlossen wir nach dem Parken des Bikes, Machico, Madeiradie Promenade entlang zu schlendern, um uns ein kleines Restaurant in der Nähe des Hafens für eine Stärkung zu suchen. Von dort fiel der Blick auf die Bucht mit dem zur einen Hälfte aus Sand und zur anderen Hälfte aus dicken Kieseln bestehende Strand. Am anderen Ende ragte der hohe Gebäudeklotz des größten Hotels von Machico in den Himmel: „Dom Pedro Baia“. Da Machico zu Anfang der Reisevorbereitungen wegen des Sandstrandes in die enge Wahl gekommen war, waren wir nun froh, nicht dieses Hotel gebucht zu haben. Frisch gestärkt machten wir uns dann bei einem Mix aus Sonne und Wolken auf, den Ort zu erkunden. Sehr viel Interessantes gab es nicht zu sehen, außer einer alten kleinen Festungsanlage und einer Kirche. Irgendwo sollte es noch ein Amphitheater geben (wie sich später bei der Weiterfahrt herausstellte, war es eine Art Fußballstadion) , aber die Suche brachen wir bald ab und gingen an dem breiten von hohen Betonmauern eingefassten Flusslauf zurück zum Motorrad.
Unser nächstes Ziel war nun Porto da Cruz. Da es in Richtung Norden ab Machico keine Autobahn mehr gab, mussten wir nicht lange suchen, um die richtige Landstraße zu finden. Nach wenigen Kilometern zwischen Berghängen hindurch, fuhren wir in den ersten Tunnel. Kaum wieder raus, machte sich ein plötzlicher Temperatursturz bemerkbar, bevor es schon wieder in den nächsten Tunnel ging. Dieser war ganz schön lang und hatte ziemliches Gefälle. Schließlich lag der kleine von Berghängen umgebene Ort Porto Porto da Cruz, Madeirada Cruz an der nordöstlichen Steilküste von Madeira vor uns. Nach dem Parken des Bikes gingen wir hinunter zur Promenade, die direkt oberhalb des grobkieseligen Strandes mit der heftig rauschenden Brandung verlief. Baden im Meer war hier nicht zu empfehlen, darum wurde direkt an der Promenade ein geschützter öffentlicher Meerwasserpool angelegt. Direkt daneben konnte man sich in einem kleinen Restaurant stärken. Wir gingen aber die nett angelegte Promenade weiter in westlicher Richtung um einen Felsvorsprung aus Lavagestein herum. Es bot sich ein toller Blick die Steilküste entlang bis hin zur Ponta do Espigao Amarelo, die noch von Sonne beschienen wurde. Bei uns war der Himmel Flughafen bei Santa Cruz, Madeiraaber total bedeckt und die Temperatur bestimmt vier bis fünf Grad geringer als an der Südküste. Außerdem sah es so aus, als wollte es jeden Augenblick anfangen zu regnen. Wir waren jedenfalls froh, unsere Motorradjacken an zu haben. Ein Stückchen weiter hörten wir ein dunkles Grollen, das von einer ins Lavagestein gewaschenen Höhle stammte, in der sich die hohen Wellen brachen. Da der Weg direkt oberhalb der Höhle entlang führte, musste man auf den Rhythmus der Wellen achten, um nicht ungewollt geduscht zu werden. Vorbei an einer von hohen Mauern und Felsen geschützten etwas verwahrlosten Slipanlage für kleine Boote, einer Zuckerrohrfabrik (nur in Betrieb von April bis Juni) und einer weiteren Badeanlage schlenderten wir zurück zum Motorrad. Auf dem Rückweg nach Canico de Baixo nahmen wir ab Machico die Autobahn bis Santa Cruz (sparte einfach Zeit), wo wir oberhalb des Ortes ein kurzen Zwischenstopp an einem Aussichtspunkt einlegten. Gut konnte man von hier aus den Anfang der Landebahn des nahegelegenen Flughafens sehen. Auch das Wetter hatte sich, im Vergleich zur Nordküste, wieder gebessert: wärmer und sonniger (s. linkes Foto).

Kapitel 3

Mo. 21.11.11

Der Montag fing genauso an, wie der vorherige Tag: gemütliches Frühstück bei warmen Wetter auf der Poolterrasse. Danach sollte es nach Monte gehen. Monte ist portugiesisch und heißt übersetzt „Berg“. Den wollten wir heute „erklimmen“. Um Zeit zu sparen, wählten wir diesmal von vorneherein die Autobahn Richtung Ribeira Brava. Nach der ausgeschilderten Abfahrt in der Nähe von Funchal fuhren wir die Serpentinenstraße, auf der wir recht schnell an Höhe Monte, Madeiragewannen, bis zu dem kleinen Ort am Berghang in 600m über N.N., der besonders im Hochsommer sehr beliebt ist, da es hier immer ein paar Grad kühler ist als an der Küste um Funchal herum . Das Motorrad parkten wir direkt an dem von Platanen beschatteten Platz Largo da Fonte mit ein paar Andenkenständen und einer Einkehrmöglichkeit (PKWs sollten sich eine Stellmöglichkeit oberhalb des Parks der Quinta Jardins do Imperator suchen). Kaum waren wir in Richtung der Wallfahrtskirche aufgebrochen, liefen uns auch schon die ersten Carreiros, Korbschlitten in Monte, Madeiradie Lenker der Korbschlitten, über den Weg, weiß gekleidet von oben bis unten und auf dem Kopf einen Strohhut tragend. Sie gingen auch in unsere Richtung, da direkt unterhalb der Wallfahrtskirche auch der Startpunkt für DIE Madeira Touristen-Attraktion war, das Korbschlittenfahren. Über einen schattigen Weg erreichten wir schließlich den unteren Teil der Freitreppe vor der Kirche der Inselpatronin „Nossa Senhora do Monte“. Hier war was los. Nicht nur per Flieger angereiste Touristen, sondern auch die modernen Kreuzfahrer (u.a. zu erkennen an den blauen Bordkarten der im Hafen von Funchal liegenden AIDA) waren angereist, um eine Korbschlittenfahrt mitzumachen. Diesen Punkt konnte man übrigens auch per Gondelbahn erreichen, deren Basisstation direkt an der Hafenpromenade von Funchal lag. Nicht ganz billig der Spaß, der pro Schlitten für maximal drei Personen über ca. 2,5km ging und 25-45€ kostete. Trotzdem ließen sich etliche das Schauspiel nicht entgehen und rutschten auf den Kufen die glattpolierte Asphaltstraße den Hang hinunter. Die Reaktionen waren recht unterschiedlich: von ängstlich schreiend bis vor Freude strahlend.
Wir orientierten uns nach einer Weile des Zuschauens aber in Richtung Kirche, von der aus man einen traumhaften Blick auf die Hauptstadt Funchal und den Hafen hatte. Das Aussehen der Treppe Botanischer Garten in Monte, Madeirazusammen mit der Kirche und die Lage oberhalb der Stadt erinnerte mich irgendwie an Sacre Cour in Paris, nur alles ein bisschen kleiner. Auf dem Vorplatz des Gotteshauses stand eine Statue des letzten Kaisers von Österreich, der in Monte verstorben war, und im Inneren befand sich sein Sarg. Nachdem wir bei einem Eis auf der Vortreppe die herrliche Aussicht auf das Meer noch ein wenig genossen hatten, erkundeten wir die kleinen Gassen in der näheren Umgebung. Da dies nicht sehr spannend war, folgten wir bergab der Straße, die die Korbschlitten für ihre Abfahrt nutzten, immer aufpassend, dass wir nicht unter die Kufen der plötzlich schnell hinter einer Kurve auftauchenden Schlitten kamen.
Unser Ziel war der Eingang des Jardim Tropical von Monte. Der Eintrittspreis zum 70000qm großen botanischen Garten schlug mit 10€ pro Person Botanischer Garten in Monte, Madeirazu Buche, incl. Weinprobe im Park-Cafe. Zu den Eintrittskarten gab es einen Plan mit vorgeschlagenen Routen, die nach Sehenswürdigkeiten sortiert waren. Wir folgten aber unseren Füßen und durchquerten auch so verschiedene Bereiche des Parks: eine Mixtur aus einheimischen Pflanzen, orientalischen Gebäuden, Kunstwerken (Skulpturen, Fliesenbilder und über mannshohen Vasen), riesigen tropischen Bäumen und über drei Metern hohen Farnen, Bachläufen, Wasserfällen und Seen. Schließlich erreichten wir mitten im Park ein Schlösschen mit vorgebauter Terrasse. Zahlreiche Bänke luden zum Verweilen und zum Genießen des Blicks auf Funchal ein. Insgesamt bot sich der botanische Garten sehr zum Entspannen an, denn durch die Weitläufigkeit des Parks begegnete man kaum anderen Besuchern. Zeit mitzubringen, lohnte sich also. Wer aber um diese Jahreszeit (es war ja Ende November) viele blühende Blumen erwartete, der suchte, trotzdem es auch jetzt schön warm war, größtenteils vergebens. Das Blütenmeer war, auch in diesen Breiten, mehr im Frühjahr zu erwarten.
Der Rückweg führte uns wieder über die „Korbschlittenstraße“ vorbei am Stadtpark (Eintritt frei) zum Platz „Largo da Fonte“. Kaum am Bike angekommen, machte sich der kleine Hunger bemerkbar, und so kehrten wir direkt an der Straße in ein kleines Restaurant ein, wo wir Baguettes mit Hühnchen und etwas zu trinken bestellten. Es schmeckte gut, und während wir aßen, konnten wir beobachten, wie immer wieder Busse mit Carreiros aus dem Tal ankamen. Schließlich wollten sie auch nicht die 2,5km den Berg wieder hochlaufen, nachdem sie vorher mit dem Schlitten runtergefahren waren. Für uns ging es dann aber zurück über die Autobahn zu unserem Hotel „Galosol“ in Canico de Baixo.

Kapitel 4

Die. 22.11.11

Heute sollte laut Gästebetreuung des „Hotel Galosol“ aufgrund der anstehenden Renovierungsarbeiten unser letztes Frühstück direkt am Pool vor dem Restaurant Galomar stattfinden. Schade, denn hier saß man wirklich nett in der Morgensonne und hatte einen tollen Blick. Außerdem war ab dem Abend dieses Tages für den Rest unseres Urlaubs auch das Restaurant nicht mehr für Gäste geöffnet. Alle Mahlzeiten sollten dann im zweckentfremdeten kleineren Besprechungsraum des Hotels, dem Saal Atlantico, eingenommen werden. Hm, mal sehen…
Vor dem Südküste MadeiraAbendessen stand aber noch eine Tagestour bis Calheta im westlichen Teil der Südküste auf dem Programm. Also los, Sachen gepackt und ab auf die Autobahn. Zumindest bis Funchal um etwas Zeit für unsere eigentlichen Erkundungen zu sparen. Die Fahrt führte uns dann am Hafen mit den Kreuzfahrtschiffen vorbei Richtung Sao Martinho. Leider landeten wir hier schon wieder auf der Autobahn, da uns die Namen der kleineren Ortschaften nichts sagten und wir den Schildern nach Ribeira Brava gefolgten waren. Daran konnten wir jetzt auch nichts mehr ändern, aber schließlich gab uns ein Hinweis auf Camara de Lobos die Möglichkeit, wieder Küstenlandstraßen unter die Räder zu bekommen. Dort ließ es sich wesentlich schöner mit dem Motorrad fahren: viele Kurven und hinter jeder Kurve wieder einen neuen tollen Ausblick (wie kurvig es war, könnt Ihr mittels unseres GPS-Tracks in der Bildergalerie 2 nachverfolgen). Selbst meiner Frau, die sonst nicht so gerne Sozia spielt, wurde es hinten nicht langweilig, da die Fahrt sehr abwechslungsreich war. In Ribeira Brava legten wir einen Zwischenstopp ein, um Getränke zu kaufen. Der Ort machte einen lebendigen Eindruck und verfügte über kleine Geschäfte und eine Strandpromenade. Die genauere Erkundung der Umgebung wollten wir aber mal an einem anderen Tag machen, denn wir hatten ja vor, heute noch in Calheta anzukommen. Bis Ribeira Brava hatte sich die Straße bis zu 1km vom Atlantik entfernt, doch ab jetzt führte die Estrada Regional ER101 direkt am Meer entlang und kurz nach einer Tunneldurchfahrt schlängelte sie sich zur engen Bucht von Ponta do Sol herunter. PraktischerweisePonta do Sol, Madeira befand sich gleich am östlichen Ende der Strandpromenade ein gekennzeichneter Motorradparkplatz. Ein wenig weiter standen auch mehre PKW-Parkbuchten zur Verfügung, aber natürlich mit Parkscheinautomat. DiePonta do Sol, Madeira gesamte Bucht war hier gerade mal ca. 200m breit und wurde zur Ortsmitte hin hauptsächlich durch eine Kirche und ein Hotel mit bunten Fassaden begrenzt: das "Enotel Baia do Sol" mit 3,5 Sternen. Da es bei unserer Urlaubsplanung auch in die engere Wahl gekommen war, statteten wir dem Inneren einen kurzen Besuch ab. Der Eindruck war eigentlich recht positiv, da modern, fast vornehm gestaltet und mit eigenem Innenpool. Uns fiel aber auf, dass, obwohl draußen die Sonne schien, wenig Licht in das Gebäude gelangte. Na, da hatten wir es mit unserem Hotel in Canico de Baixo wohl doch besser getroffen, zumal der Ort Ponta do Sol ziemlich abseits lag und man z.B. nicht mal eben nach Funchal zum Shoppen oder Bummeln fahren konnte (evtl. mit dem Bus, aber wie lange hätte das gedauert und wie oft fuhr der überhaupt?). Den kleinen Ortskern erreichten wir bergauf über schmale nette neben der Kirche verlaufende Gässchen, die teilweise einen tollen Blick über die Tonpfannendächer mit blühenden Pflanzen auf das Meer freigaben. Schnell war alles von dem verschlafen Ort gesehen und machten wir uns auf ein Restaurant für ein Snack zu suchen. Zu empfehlen schien sich das Mini-Restaurant „Poente“, das oberhalb des östlichen Endes des Kieselstrandes am Felsen klebte. Von dem vielleicht 2x4m kleinen Balkon hatte man zwar einen guten Blick auf die Bucht, aber uns sagte die Enge und die Auswahl an Speisen nicht so zu. Deshalb wählten wir Wasserfall, Madeirastattdessen die gemütlichen Sitzgelegenheiten unter Palmen der „Da Vila Bar“ neben dem „Baia do Sol“ Hotel. Frisch gestärkt ging‘s zum Bike zurück. Es stand mittlerweile nicht mehr allein dort, sondern eine Gruppe mit fünf weiteren BMWs von unserem Vermieter Magoscar hatte sich dazugesellt. So trifft man sich wieder. Zuletzt hatten wir im Flieger nebeneinander gesessen. Nun trennten sich unsere Wege aber erneut. Die Gruppe startete nach Osten und wir in den nächsten Tunnel weiter nach Westen. Interessant wurde die Küstenstraße ungefähr auf halbem Wege Calheta, Madeiranach Calheta, als nach dem Umfahren eines Felsvorsprunges sich plötzlich und unerwartet aus über 20m Höhe ein Wasserfall mitten auf die Straße ergoss (s. auch Wasserfall-Film in unser Videogalerie). Da hieß es erst mal anhalten und schauen, wo man auch als Motorradfahrer einigermaßen trocken drunter durch kam. Aber möglichst nahe an der Felswand entlang bekamen wir nur ein paar Spritzer ab. In Calheta selbst gab nicht sonderlich viel zu sehen: ein großes Hotel, das „Calheta Beach“, davor ein durch Wellenbrecher geschützter künstlicher Sandstrand, einen Hafen und eine lange Promenade mit Geschäften und Restaurants im Wechsel. Es wirkte alles recht künstlich und einen richtigen Ortskern schien es hier auch nicht zu geben. Deshalb machten wir uns nach ein wenig Bummeln über die Promenade langsam auf den Rückweg zu unserem Hotel. Die Zeit war schon ziemlich fortgeschritten, darum wählten wir kurz hinter Ribeira Brava die Autobahn. Hier konnte man zwar relativ zügig größere Entfernungen überwinden, aber schön war das Fahren nicht. Gerade als Fahrer hatte man kaum Möglichkeiten, die schöne Umgebung zu genießen, da: viele teils recht enge Kurven, starke Steigungen und Gefällestrecken, etliche Tunnel, viele kurze Auffahrten, an den manche Fahrer den 2. Gang nicht fanden, LKWs, die sich an Steigungen überholten und „blinde Heizer“ auf zwei Rädern, denen die Bedeutung von runden Schildern mit rotem Rand und einer 100 in der Mitte nichts sagten. Gerade während der Zeit des Berufsverkehrs musste man höllisch aufpassen. Auch aus diesen Gründen bevorzugten wir immer die Landstraße und verließen kurz hinter Funchal an der Abfahrt 13 die Rennstrecke wieder, um den Rest der Strecke gemütlich über Land zu fahren.
Wieder im Hotel Galosol in Canico de Baixo angekommen, stand uns nun unser erstes Abendessen im zweckentfremdeten Besprechungsraum „Atlantico“ bevor (zur Erinnerung: ab heute sollten die „Renovierungsarbeiten“ im Haupthaus beginnen). Die Atmosphäre war sehr nüchtern, dunkel und wegen der tiefen Decke auch etwas drückend. Dazu kam, dass manche, eigentlich warme Speisen, nur noch lauwarm waren. Kurz gesagt: alles nicht mehr eines 4 Sterne Hotels würdig. Aber das war erst der Anfang…

Kapitel 5

Mi., 23.11.11

Gegen 08:00Uhr morgens konnten wir schon bei geschlossener Tür Baulärm vom Haupthaus hören, trotzdem unser Zimmer bestimmt mindestens 50m Luftlinie entfernt lag und mit dem Balkon vom Haupthaus weg zeigte. Das Frühstück gab es ab jetzt auch im Sala Atlantico. Als Außenbereich stand nur noch ein von der Poolterrasse abgesperrter Miniteil zur Verfügung. Reine Glückssache, wenn wir jetzt noch draußen in der Sonne frühstücken konnten. Und wenn doch mal ein Platz zu ergattern war, wurde man „beglückt“ durch „Geräusche“, die entstehen, wenn Wände mit einem Presslufthammer Camacha, Madeiraeingerissen werden. Unter „Renovierung“ verstanden wir etwas Anderes. Hier handelte es sich mehr um eine „Kernsanierung“.
Also hieß es Sachen packen und die Flucht ergreifen. Ziel: Camacha, das auf 700m Höhe am Berghang gelegene Zentrum der Korbflechter. Über kurvige Sträßchen ging es über Canico immer höher in die Berge. Die Temperatur sank und ein Regenschauer stand bevor, als wir an dem Hauptplatz des Ortes, dem Largo da Achada, unsere BMW abstellten. Direkt nebenan befand sich zusammen mit einem hundert Jahre alten Uhrturm das „Cafe Relogio“, Karbwaren in Camacha, Madeirain dessen Gebäude sich auch die Korbflechterwerkstatt befand, ein Restaurant (recht ungemütlich) und ein großer Verkaufsraum für einheimische Korb-,Holz-, Strickwaren und spezielle Spirituosen. Schon interessant, was so alles aus Korb gefertigt werden konnte: Hüte, Kerzenständer, Taschen, Eimer, Tiere u.s.w. bis hin zu einem über 3m großen Boot. Scheinbar waren hier richtige Künstler am Werk. Und die verrichteten Ihre Arbeit, für alle beobachtbar, fleißig im Keller. Da draußen der Schauer bereits wieder vorbei war, gingen wir noch auf die Außenterrasse, von der es so einen tollen Blick auf die Küste geben sollte. Fehlanzeige, es war einfach noch zu diesig. Also schlenderten wir um den Largo da Achada herum und dann die Straße den Hang hinauf in Richtung zweites Ortszentrum. Außer ein paar Restaurants, bei denen schon der Grill angeheizt wurde, und urigen Wohnhäusern gab es aber nicht viel zu entdecken. Schnell war der Ortsausgang erreicht und gab den Blick frei auf das von einem tollen Regenbogen überspannte Bergland . Auf dem Rückweg kehrten wir in ein kleines Lokal ein, einer Mischung aus Kneipe und Restaurant, wo wir uns zu wesentlich günstigeren Preisen als im „Cafe Relogio“ stärkten. Leider mußten wir nun die Uhr immer ein bisschen im Auge behalten, da wir um 17:00Uhr leider in der Nähe von Assomada das Motorrad gegen ein Auto tauschen mussten. Es war (nochmal) leider bereits für die folgenden Tage vorbestellt. Am liebsten hätte ich es gar nicht wieder hergegeben, aber der deutsche Chef von Magoscar ließ nicht mit sich reden ;-(. Nun war es also ein weißer Seat Ibiza 1.2, der uns die nächste Zeit zu unseren weiteren Zielen bringen sollte.
Baulärm empfing uns wieder am Hotel und ein paar Stunden später ging es zum Abendessen in den „gemütlichen“ Besprechungsraum. Diesmal sorgten ein Gitarrist und ein Geigenspieler für musikalische Untermalung. Wir dachten schon, dass das eine kleine Wiedergutmachung der Hotelleitung wegen des Baulärms war, aber scheinbar gehörte das in dem Hotel an manchen Abenden zum Standardprogramm.


Do., 24.11.11

Sporthotel Der Donnerstagmorgen fing nicht besonders schön an. Nicht nur, dass ab 08:00Uhr der Lärm von der Baustelle im Haupthaus gegenüber wieder zu hören war, sondern der Himmel war wolkenverhangen und es regnete. Pfui, aber wenigstens war es warm. Auf dem Weg zum Frühstück bemerkten wir im Hotel noch mehr, was uns nicht sonderlich gefiel: Presslufthämmer brachen Wände im Haupthaus ein, die Poolbar war nicht mehr nutzbar (hier gab es vorher am Nachmittag eine Happy-Hour mit Kaffee und Kuchen), der Außenpool war ohne Wasser und abgesperrt inklusive 95% der Sonnenterrasse. Es wurde also mit jedem Tag „gemütlicher“ und die Sterne des Hotels bröckelten mit jedem Tag und jedem Hammerschlag mehr. Wie konnte man nur Arbeiten in solchem Umfang (Videolink siehe unten) während des laufenden Gästebetriebs machen?
Nach Madeira auf 900m Höhedem Frühstück kam Gott sei Dank die Sonne wieder zum Vorschein. In der Hoffnung, dass es auch an der Nordküste von Madeira trockenes gutes Wetter gab, machten wir uns auf, nach Santana zu fahren. Der Hinweg sollte uns mitten durch die Berge und das Naturschutzgebiet Ribeiro Frio führen. Aber so weit waren wir noch nicht. Kurve reihte sich an Kurve (schade, dass wir das Motorrad nicht mehr hatten) und wir gewannen schnell an Höhe, bis wir nach ein paar Kilometern auf der ER202 kurz unterhalb der Wolkengrenze auf 900m Höhe einen Zwischenstopp einlegten. Brrrr, hier waren keine 20 Grad mehr, sondern 9 Grad. Die Sicht auf die Küste war sehr eingeschränkt und auch bei der Weiterfahrt aufgrund des dickenZentralgebirge Madeira Nebels nur noch ein paar Meter. Tipp: wer vor hat, in die Berge Madeiras zu fahren, der sollte immer etwas Wärmendes und etwas gegen Regen mitnehmen. Das Klima ist hier total anders, als an der Südküste. Schließlich passierten wir den Abzweig zur ER 103, die uns nun durch dichte Wälder weiter nach Norden bringen sollte, und erreichten nach mittlerweile gefühlten 100 Kurven einen Parkplatz in Ribeiro Frio (genannt nach dem gleichnamigen Fluss; portugiesisch für „kalter Fluss“). Vor hier aus wollten wir eine Mini Levada-Wanderung zu dem Aussichtspunkt Balcoes starten. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk und einem dicken Pulli, wanderten wir an dem kleinen Wasserkanal entlang. Natur pur und total reine Luft, wie die Baumflechten signalisierten. Einige Abzweigungen von unserem gut markierten und fast ebenen Weg waren mit Schildern, die auf Bergrutsche hinwiesen, gesperrt. Dies sollte man auch tunlichst nicht ignorieren, denn die Bergwelt Madeiras ist nicht ganz ungefährlich. Sperrungen haben immer einen guten Grund! Vorbei an einer Snack Bar (mitten im Wald!) mit Souvenirs aus einheimischen Produkten und durch eine Felsspalte hindurch erreichten wir schließlich unser Ziel: den „Balkon“. Was für ein toller Rundblick; auf der einen Seite über bewaldete Hügel auf den Nordatlantik und auf der anderen Seite auf die wolkenverhangenen Gipfel des Zentralgebirges von Madeira. Schon imposant. Insgesamt etwa eine Stunde Wanderung hatten wir hinter uns, als wir unser Auto Faial, Madeirawieder bestiegen. Nach weiten 100 Serpentinen bergab lag der nett gelegene Ort Faial an der Steilküste im Nordosten von Madeira vor uns. Die Temperatur wurde wieder angenehmer und lag so bei 17 Grad bei einem Sonne/Wolken-Mix. Markant ragte der Adlerfelsen in den Himmel, der es, ab Meeresspiegel fast senkrecht aufsteigend, auf 560m Höhe brachte. Den besten Überblick über Faial und die Steilküste hatte man oberhalb des Ortes von einem Aussichtspunkt mit etlichen alten Kanonen, die von nicht ganz so friedlicher Vergangenheit zeugten.
Nächstes Etappenziel: Santana. Weil wir es nicht eilig hatten und etwas von der Landschaft sehen wollten, nahmen wir die ER101 und nicht den über 3km langen „Tunel do Faial Cortado“ nach Norden. Im Gegensatz zu Faial lag Santana etwa 1km Luftlinie von der Küste entfernt. Über eine Kopfsteinpflasterstraße mit Mosaik verzierten Bürgersteigen gelangten wir in den Ort. Auf der Suche nach der hier bekanntesten Attraktion, den Santana-Häuschen oder auch „Casa do Colmo”, schlenderten wir durch die Gassen mit maximal 2-geschossigen Wohnhäusern. Bis jetzt ganz nett und gepflegt, aber sonderlich interessant. Ein Wohnort halt. Schließlich wurde es aber doch noch spannend, als wir eines der „Casa do Colmo“ entdeckten, das mit Stroh bis fast auf den Boden gedeckt und auch noch bewohnt war. Casa do Colmo, Santana (Madeira)Kaum, dass wir uns näherten, entdeckte uns die ältere Bewohnerin, fing fürchterlich laut an, auf Portugiesisch zu zetern und hob schon fast drohend ihren Besen. Ohne Foto machten wir uns von dannen in Richtung Zentrum. Holla, der Besen hatte wohl etwas gegen Touristen (sorry ;-) ). Weitaus sicherer war dagegen die Besichtigung der „Ausstellungs“-Santana-Häuschen in der Nähe des Rathauses. Hier wurde man von Frauen in einheimischer Tracht zum Foto eingeladen. Im Inneren der Häuschen war alles so hergerichtet, wie es vor etlichen Jahren mal ausgesehen hatte und man konnte regionale Produkte kaufen bzw. Frauen beim Weben zuschauen. Die Vorgärten waren bepflanzt mit vielen prächtigen Paradiesvogelblumen. Ganz so paradiesisch gestaltete sich der nachfolgende Besuch einer öffentlichen Toilette unter dem Rathaus nicht. Aber sehr in Erinnerung bleibend: kein Licht, keine verschließbare Tür, dafür stinkig und alles war angekettet, von der Toilettenpapierrolle bis hin zur Brille. Tipp: wenn Ihr Nasenklammer und Taschenlampe vergessen habt, spart Euch den Besuch! Wir hatten jetzt die Nase voll, verließen Santana und machten noch einen kurzen Abstecher nach Sao Jorge ganz im Norden von Madeira mit schönem Steilküstenblick, bevor wir die Rückfahrt zum Hotel antraten. Diesmal wählten wir die schnellere Route durch etliche lange Tunnel über Faial, Machico und ab hier über die Autobahn bis Canico de Baixo.
Als wir gegen 18:00Uhr das Hotel erreichten, empfing uns immer noch ohrenbetäubender Baulärm. Wer sich mal ein Bild von den Bauarbeiten machen möchte, der sollte sich das Video in unserer Filmgalerie mal anschauen; Ton einschalten nicht vergessen. Die Arbeiter machten wohl nie Feierabend. Dazu kam noch, dass ab heute das kostenpflichtige WLAN nur noch zu den Essenszeiten nutzbar war (oder stehend im Treppenhaus) und der kostenlose Pizzeria Galoresort Canico de Baixo, MadeiraInternetplatz verlegt worden war und sich nun im Fitness-Club befand; Abhängigkeit von Öffnungszeiten und schwitzende Sportler inbegriffen. Aufgrund unsere Erfahrungen bei den letzten beiden Abendessen im Besprechungsraum "Sala Atlantico“, beschlossen wir, in der zur Anlage gehörenden Pizzeria zu speisen. Halbpension inklusive „Restaurant-Hopping“ (zu unserer Zeit gültig für die Pizzeria und das Fischrestaurant Atlantico) machten das möglich. Man musste sich hierfür nur an der Rezeption einen Gutschein ausstellen zu lassen. Leider hatte sich der Betrag pro Person wegen der heute angefangenen Wintersaison um sechs Euro verringert (von 16 auf 10 Euro). Alle Versuche, wegen der „Unannehmlichkeiten“ im Hotel bei der Rezeption ein Entgegenkommen in Form des 16 Euro Gutscheins zu erreichen, schlugen fehl. Außerdem wollte man uns mit dem Hinweis auf möglichen Platzmangel erst gar keinen Gutschein für den heutigen Abend ausstellen, weil wir ja nicht einen Tag vorher Bescheid gegeben hätten. Als wir schließlich unsere Pizza serviert bekamen, saßen wir fast alleine in der Pizzeria. Wie war das noch mit der Wintersaison? Aber das hätte auch die Rezeption wissen können…

 Kapitel 6

Fr., 25.11.11

Kaum hatten wir morgens die Augen geöffnet, empfing uns herrlicher warmer Sonnenschein und der tolle Blick von unserem Balkon. So ließ es sich aushalten. In Deutschland war es jetzt nur fünf Grad und regnerisch. Das Frühstück konnten wir noch ohne Baulärm genießen, denn „komischerweise“ wurde ab heute mit dem Beginn der Bauarbeiten am Haupthaus bis 10:00 Uhr gewartet.
Heute sollte das Auto mal stehenbleiben. Wir wollten den Bus nach Funchal nehmen, um der nervigen Parkplatzsuche und dem Einbahnstraßensystem in der Hauptstadt aus dem Weg zu gehen. Für Eilige stand der Express-Bus über die Autobahn von Canico de Baixo nach Funchal zur Verfügung. Wie entschieden uns aber für die „normale“ langsamere Route die Küstenorte entlang. Schaut Euch doch mal unser Video von der Fahrt an: keine Tunnel und ein traumhafter Blick über die Küste und das Meer. Und das alles für 1,75€ pro Person. Desweiteren hatten wir auf den öfter gelesenen Tipp gehört und feste Schuhe mit guter Sohle für unserer Stadtbesichtigung gewählt, denn viele Fußwege sollten mit Mosaikbelag aus kleinen Basaltsteinen oder Strandkieseln versehen sein, was bei längeren Märschen zu Fußsohlenqualen führen könnte.
Unsere Funchal, MadeiraEndstation war der Busbahnhof direkt an der Hafenpromenade neben der Talstation der Gondelbahn nach Monte. Von hier aus konnte man geradewegs zum Bummeln in die Altstadt aufbrechen. Wir schlenderten parallel zur Promenade in östlicher Richtung durch eine nette schmale Gasse mit bunten Häuserfassaden und schön bemalten Eingangstüren. Jede Tür war verziert durch ein anderes Motiv. Schließlich konnten wir sogar einen Künstler bei seiner Arbeit beobachten. Ein freundlicher Kellner des gegenüber liegenden Restaurants erklärte uns sogleich auf Englisch den Grund für die vielen bemalten Türen: die Stadt Funchal hatte mit Kunststudenten ein Projekt Funchal, Madeirazur Verschönerung der Altstadt ins Leben gerufen. Eine prima Idee. Die Altstadt wirkte in diesem Bereich optisch gepflegt und fröhlich. Alle paar Meter hatte man zudem die Möglichkeit, in eines der vielen kleinen Restaurants mit Außenbestuhlung einzukehren, um die Atmosphäre in Ruhe auf sich wirken zu lassen. Leider waren die davor „lauernden“ Werber, die einen zum Platznehmen überreden wollten, nach dem 10. Restaurant schon ziemlich nervig. Schließlich erreichten wir das Fortaleza Sao Tiago, eine alte Festung, die früher mal Funchal vor Piratenübergriffen schützen sollte. Heute befand sich ein Kunst- und ein Militärmuseum im Inneren. Wir erstiegen die gelbgetünchten Festungsmauern. Von hier aus bot sich in aller Ruhe ein toller Blick auf den Hafen mit den KreuzfahrtMarkthalle in Funchal, Madeiraschiffen und die ganze quirlige Stadt. Ein herrliches Panorama und zusätzlich wurde die Urlaubsstimmung abgerundet durch das tolle Wetter: 23 Grad bei herrlichstem Sonnenschein.
Das nächste Ziel auf unserer Entdeckungstour war die Markthalle, die Mercado dos Lavradores (übersetzt: Bauernmarkt), an der wir bereits mit dem Bus vorbei gekommen waren. Um sie zu erreichen, mussten wir zu der vierspurigen Einfallsstraße, die zur Autobahn führte, zurück. Direkt vor dem Eingang boten Blumenverkäuferinnen in Trachten ihre frische Ware an, in der Halle herrschte reges Treiben zwischen den vielen Ständen mit tropischen und subtropischen Obst- und Gemüsesorten. Eine tolle Atmosphäre herrschte hier, auf jeden Fall einen Besuch wert. Und man konnte auch alles vor dem Kauf probieren, auch die Früchte, die wir noch nie gesehen hatten, geschweige denn ihren Namen kannten. Das Ganze spielte sich auf zwei Etagen ab (s. auch unser Video). Im hinteren Teil der Halle war der Fischmarkt angesiedelt. Das konnte man auch riechen ;-). Da wir aber noch nie zu den Frühaufstehern zählten, konnten wir nur noch die Aufräumarbeiten und die letzten Fischreste begutachten. Dazu zählte auch der auf Madeira so beliebte „Espada“ (Degenfisch aus der Tiefsee), der so schmackhaft aber total hässlich sein sollte. Ok, Kathedrale in Funchal, Madeirahässlich war er.
Weiter gings auf der anderen Seite der vierspurigen Einfallstraße in Richtung Funchal Zentrum und „Kathedrale Sé“ (Bedeutung: Bischofssitz) bzw. Bank von Portugal. Vor der Kathedrale versammelten sich zu der Zeit gerade bestimmt 200 Menschen, alle in festlicher Garderobe. Sollte gleich ein Gottesdienst stattfinden? Da sich aber auf der fußläufigen Allee, die von der „Banco do Portugal“ auf die Kathedrale zuführte, mit der Zeit eine Art Spalier aus Menschen bildete, kam uns das alles etwas rätselhaft vor. Plötzlich ruhte auch der auf der parallel verlaufenden Straße fließende Verkehr und eine lange Kolonne von Jugendlichen in schwarzen Anzügen und Kleidern näherte sich der Kirche. Insgesamt machte alles einen sehr festlichen Eindruck. Wir waren zwar nicht genau dahinter gekommen,Funchal, Madeira um was es hier ging, aber wir vermuteten eine Art Abschlussfeier von Abiturienten. Während wir so auf einer der Bänke saßen und dem Treiben zuschauten, war meine Frau ganz verzückt von den „tollen“ hochhackigen Schuhen, die die Mädels trugen. Ich fand die kurzen Kleidchen auch nicht schlecht ;-).
Ok, weiter über den Boulevard parallel zur Avenida Arriaga, vorbei an der Bank von Portugal, Richtung Park Sao Francisco. Vor dem Café do Teatro spielten drei Musikanten für die Gäste, die es sich an den zahlreichen Tischen bequem gemacht hatten. Leider war für uns hier kein Tisch mehr frei. Am Eingang zum Park kamen wir an einem netten Springbrunnen mit Ententeich vorbei, in dem ein sehr beliebtes Fotomotiv stand, die zwei „fröhlichen Steinknaben“. Der Park selbst war ein absoluter Ruhepol in der sonst quirligen Hauptstadt Funchal. In der Nähe eines kleinen Amphitheaters fanden wir schließlich, umgeben von Pagodenbäume, eine Restauration, wo wir uns einen kleinen Snack zu recht günstigen Preisen bestellten.
Nach einer Weile machten wir uns frisch gestärkt wieder auf den Weg, das Zentrum weiter zu erkunden. Insgesamt stellte es sich sehr abwechslungsreich dar: schmale Gässchen, Einkaufszentren mitten in Häuserblöcken (mal mit Ramsch, mal sehr modern), zahlreiche Geschäfte mit einem Angebot von Kleinkram über Lebensmittel bis zu modischen Artikeln, nett Funchal, Madeiragestaltete Plätze und Restaurants. Größtenteils waren die Häuser aus dem Anfang des letzten Jahrhunderts, aber sehr gut erhalten. Fast alle fußläufigen Bereiche und Plätze zierten Mosaiken mit verschiedenen schwarzweißen Mustern. So auch auf dem Platz vor dem Rathaus, dem Praca do Municipio. Laut Reiseführer sollte der Bodenbelag durch die geschwungene Form dreidimensional wirken. Uns blieb dies aber irgendwie verborgen. Schließlich erreichten wir wieder den Busbahnhof in der Nähe der Hafenpromenade. Da wir vor der Rückfahrt noch Zeit hatten, machten wir es uns vor dem „Grand Cafe Columbus“ direkt neben der Seilbahnstation gemütlich und genossen den nahenden Sonnenuntergang bei einem guten Glas Rotwein. Ein Kellner verzierte derweil mit viel Liebe einen angestrahlten alten Baumstumpf mit einer großen Auswahl an Muster-Cocktails.
Ein letzter Blick noch von der Uferpromenade auf das mittlerweile beleuchtete Funchal und den Hafen, aus dem gerade ein großes Kreuzfahrtschiff in Richtung offenes Meer aufbrach, und dann bestiegen wir den Bus zurück nach Canico de Baixo. Als Fazit konnten wir nur sagen, dass sich der Besuch von Funchal sehr gelohnt hatte. Die Hauptstadt war sehr abwechslungsreich, gepflegt, verfügte über schöne Plätze und Parks, alte Gebäude und eine urige Altstadt. Für botanisch Interessierte sollte noch ein Besuch des Botanischen Gartens mit Papageienpark und Orchideengarten auf dem Programm stehen. Wir haben keinen Ausflug dorthin gemacht, da wir bereits in Monte den Botanischen Garten besichtigt hatten. Aber scheinbar wären im Botanischen Garten von Funchal mehr blühende Blumen zu sehen gewesen. Auf eine Anfahrt der Hauptstadt mit dem Auto sollte man möglichst verzichten, da sich die Fahr- und Parksituation teilweise recht kaotisch darstellte.

Kapitel 7


Sa., 26.11.11

Für heute war mal wieder ein ruhigerer Tag geplant. Das hieß: keine größeren Unternehmungen, etwas die Seele baumeln lassen und nur die nähere Canico de Baixo, MadeiraUmgebung des Hotels genauer erkunden. Wettertechnisch ging es nicht ganz so ruhig zu: 19 Grad, sonnig aber sehr windig, so dass sich etliche Schaumkronen auf dem aufgepeitschten Meer bildeten.
Vorbei am Hotel Royal Orchid, kleinen Geschäften, Restaurants und Auto-/Bike-Vermietern schlenderten Canico de Baixo, Madeirawir in östlicher Richtung zur Promenade, die den groben Steinstrand von Canico de Baixo von den angrenzenden Hotels trennte. Besonders auffällig war hier das große 4-Sterne Hotel Riu Palace (über 300 Zimmer) mit seiner U-förmigen Bauweise um den Pool herum und den Türmchen an den Ecken des Gebäudes. Jedes Hotel hatte einen codegeschützten Zugang zur Promenade, die sich über ca. 500m die Küste entlang zog und mit etlichen Palmen bepflanzt war. Zahlreiche Katzen nutzten deren schattenspendende Wirkung und dösten faul vor sich hin, ohne sich von den auf und ab laufenden Joggern stören zu lassen.
Am östlichen Ende der Promenade befand sich eine künstlich geschaffene und durch Wellenbrecher geschützte Minisandbucht, ein Schiffshebekran und eine Cocktail-/Snackbar. Ansonsten gab es, bis auf die Bar am Anfang der Promenade, die allerdings zu unserer Reisezeit noch geschlossen hatte, keine weitere Gastronomie zum Verweilen. Einen kurzen Fim von der Promenade könnt Ihr in unser Madeira-Filmgalerie sehen.


So., 27.11.11

Vor fünf Tagen waren wir ja schon mal auf unserer Tour nach Ponta do Sol kurz durch Ribeira Brava gekommen und hatten den Küstenort westlich von Ribeira Brava, MadeiraFunchal als recht lebendig empfunden. Deshalb beschlossen wir, ihn uns heute Ribeira Brava, Madeiramal genauer anzuschauen. Nur leider hatten wir nicht bedacht, dass es Sonntag war und somit alle Geschäfte bis auf eins geschlossen waren. Also latschten wir nur ein wenig durch die leeren Gassen und suchten uns dann direkt am Meer ein Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen und nebenbei den zahlreichen Möwen bei Ihren verrückten Flugkünsten zuzuschauen (irgendwie hatten die wohl zu viel gegorenes Obst gegessen oder evtl. Kängurus unter ihren Vorfahren ;-) ) . Gestört wurden sie nur kurzzeitig durch einen Gleitschirmflieger, der sich waghalsig von der nahegelegenen Klippe stürzte und seine Runden über dem Ort drehte, um dann fast direkt neben unserem Tisch sicher zu landen. Ansonsten gab es an diesem Tag wohl hier nichts weiter zu sehen, deshalb machten wir uns bald auf, weiter östlich Camara de Lobos zu entdecken (Camara = Kammer).
Farbenfrohe Häuschen klebten hier an den steilen Hängen der Küste, teilweise getrennt durch Bananen- oder Obstanpflanzungen. Direkt am Strand/Hafen fanden wir einen Parkplatz (an Werktagen gegen Gebühr). Bunte Holz-Fischerboote sorgten für einen malerischen Anblick und frisch gefangener Fisch hing ausgenommen und aufgeschnitten über Leinen zum Trocknen in der Sonne (wahrscheinlich Katzenhaie; außerdem wurde hier mit Camara de Lobos, Madeiraüber 2km langen Angelschnüren aus der Tiefe des Meeres der beliebteste Fisch von Madeira gefangen, der Espada, der schwarze Degenfisch).
Einen schönen Blick über den Ort und den Hafen sollte man von einem Aussichtspunkt am östlichen Ende der Bucht haben. Der Meinung war jedenfalls schon Churchill, der von dort aus Camara de Lobos gemalt hatte. Wir Camara de Lobos, Madeiragingen aber vorbei am Hafen und der Fischhalle, um der Promenade in westlicher Richtung zu folgen, bis schließlich die fast senkrecht vom Meer in den Himmel ragende Steilküste mit dem Kliff „Gabo Girao“ vor uns lag. Lt. Meinung einiger Einheimischer sollte es mit 578m Höhe das dritthöchsten Kliff der Welt sein.
Bevor wir wieder unser Auto bestiegen, schlenderten wir noch ein wenig durch die netten mit Kopfsteinen gepflasterten Gässchen der Altstadt. Zahlreiche Blumenkübel säumten die Bürgersteige, blühende Pflanzen rankten die Häuserwände entlang und Wohnhäuser wechselten sich mit kleinen Geschäften, Restaurants und Kneipen (diese besonders in Hafennähe) ab. Insgesamt war die Altstadt nicht sehr groß, aber irgendwie gemütlich und urig. Ein Besuch lohnte also und man merkte aufgrund des Baustils sofort, dass es sich bei Camara de Lobos im Gegensatz zu z.B. dem Hotelort Canico de Baixo um einen „natürlich“ gewachsenen Ort handelte; zudem war es auch einer der ältesten Orte Madeiras (bereits 1420 erwähnt).

Cristo Rei, Madeira Zum Schluß des Tages gab es noch ein Highlight für alle Romantiker: ein Besuch der Ponta do Garajau mit der Jesus Statue „Cristo Rei“, die stark an das Vorbild in Rio de Janeiro erinnerte. Erstaunlicherweise war die Ausschilderung für so einen markanten Aussichtspunkt, vom 2,5km östlich gelegenen Canico de Baixo kommend, sehr mager. Ein winziges Hinweisschild führte einenFunchal, Madeira zum Parkplatz an dem Kap, von dem aus auch die Möglichkeit bestand, mittels einer Seilbahn zu dem unterhalb gelegenen Kiesstrand zu gelangen (auch mit dem Auto über steile Serpentinen). Nach ungefähr 150m Fußweg erreichte man die Christus-Statue. Was bot sich hier für ein genialer Blick über das Meer und die Küste! Auch die ca. 4,5km Luftlinie entfernte Hauptstadt Funchal mit dem Hafen und den Kreuzfahrtschiffen, war gut zu sehen. Langsam näherte sich die Sonne dem Meer und in Funchal gingen nach und nach die Lichter an. Was für eine Stimmung. Einfach traumhaft bei noch 20 Grad (November!) und fast absoluter Stille, die manchmal nur unterbrochen wurde von Vogelgezwitscher oder dem Klicken eines Fotoapparates. Wer es romantisch mag, der sollte hier auf jeden Fall mal kurz vor Sonnenuntergang hinfahren. Nach Sonnenuntergang wurde die Statue bis ca. 24:00Uhr angestrahlt, so dass wir sie auch noch von unserem Hotel in Canico de Baixo gegen den dunklen Nachthimmel erkennen konnten.

 Kapitel 8


Mo., 28.11.11

Heute zog es mich an die Nordküste von Madeira und Grit erneut nach Funchal zum Bummeln. Also setzte ich sie in der Hauptstadt ab und fuhr weiter Bergkamm MadeiraRichtung Ribeira Brava. Von dort aus führte die ER104 durch einen Bergeinschnitt nach Norden. Kurz vor Serra de Agua musste ich mich entscheiden, den langen Tunnel nach Sao Vincente zu nehmen oder doch lieber die alte Landstraße ER228 durch die Berge zu fahren. Da ich etwas von der schönen Landschaft Madeiras sehen wollte, entschied ich mich für die Landstraße. Diese Strecke dauerte natürlich nicht nur länger, sondern war auch nichts für Fahrer, die keine Kurven mögen. Ich hätte aber auf jeden Fall lieber noch die BMW 650GS gefahren. Zügig gewann ich mit jedem gefahrenen Kilometer an Höhe und erreichte schließlich auf einem Bergkamm (Encumeada-Pass) eine Straßengabelung, wo von der ER228 die ER110 über das Hochland direkt nach Westen und Porto Moniz abzweigte. Ein weiter Blick bot sich von hier über das gebirgige Hinterland von Madeira. Obwohl die Sonne immer noch kräftig Sao Vicente, Madeiraschien, war es aufgrund der Höhe von nunmehr über 1000m über N.N. merklich kühler geworden.
Interessanterweise zeigten die Hinweisschilder in beide Richtungen nach Porto Moniz und Sao Vicente. Ich entschied mich für den kürzeren Weg an der Nordküste entlang und erreichte schließlich nach zahllosen Serpentinen und der Fahrt durch üppige Wälder wieder die ER104, die der Tunnel wieder ausgespuckt hatte, und folgte ihr bis Sao Vicente. Der direkt an der Nordküste gelegene Ort, durch ein Felsmassiv vor Meereseinflüssen geschützt, hatte ja so gar nichts zu bieten. Mit dem Auto war in fünf Minuten schon alles gesehen (zu Fuß sollten maximal 10 Minuten reichen). Als einzige Attraktion bot sich hier nur der Besuch der Lava-Höhlen, der Grutas de Vicente, mit dem Informationszentrum für atlantischen Vulkanismus an. Das sparte ich mir aber und fuhr weiter zur Küstenstraße ER101, die parallel zum grob kiesselige Strand verlief, der auch im Hochsommer wegen des rauen Meeres nicht zum Baden geeignet ist. Auf der anderen Seite der Straße ragte die Steilküste in den Himmel. Meine weitere Fahrt sollte mich an einem bestimmt 100m hohen Wasserfall vorbei und dann durch den ersten von etlichen Tunneln führen.
Eigentlich wollte ich ja die alte einspurige Steilküstenstraße „Antiga Antiga ER101, MadeiraER101“ unterhalb der Felsen und direkt oberhalb des Meeres nehmen, aber schon am Anfang stand aufgrund von Erdrutschen ein Sperrschild (siehe auch unsere Madeira-Filmgalerie). Welcher Madeira-Urlauber kennt diese Strecke nicht von zahlreichen Postkartenmotiven, auf denen zu sehen ist, wie ein Kleinbus sich die schmale in den Fels gehauene Straße mit dem Wasserfall entlang quält. Ich hatte vorher erst überlegt, ob ich es wegen des eventuell drohenden Steinschlages überhabt wagen sollte, diese Route zu nehmen, aber das hatte sich ja nun erübrigt.
Bis Seixal musste ich wohl oder übel die modern nach europäischem Standart gebauten Tunnel nutzen. Alle weiteren Abzweige zur Antiga ER101 waren auch gesperrt. Seixal selbst stellte sich als kleiner verschlafener Küstenort ohne großartige Infrastruktur dar. Bei einem kurzen Stopp und SMS-Austausch mit Grit, die ja immer noch in Funchal weilte, bewahrheitete sich wieder das größtenteils übliche Süd-/Nord-Wettergefälle: bei mir war es stark bewölkt und gerade noch 19 Grad und im Süden von Madeira schien Tunnel bei Ribeira Funda, Madeiradie Sonne vom wolkenlosen Himmel bei 25 Grad. Na egal, weiter gings.
Plötzlich ergab sich auf etwa halber Strecke zwischen Seixal und Ribeira da Janera zwischen zwei Tunneln die Gelegenheit, auf die Antiga ER101 abzubiegen. Weit kam ich aber auch hier nicht; gesperrt wegen Erdrutsch. Die einzige Möglichkeit weiterzukommen, bestand darin, dem Schild durch einen weiteren Tunnel nach Ribeira Funda zu folgen. Ein bisschen Abenteuer musste sein und so fuhr ich in den steil nach oben führenden dunklen Tunnel ein. Wasser lief von den nahen Wänden und von der niedrigen naturbelassenen Felsdecke ergoss sich weiteres auf das Autodach. Schon irgendwie gruselig. Nach ein paar engen Serpentinen hinter dem Tunnel war auch hier bei zwei mitten in den Fels gebauten Häusern Schluss. Ich war in einer Sackgasse. Ein paar Einheimische musterten mich wie ein Ankömmling von einem anderen Stern ;-). Vorsichtig tastete ich mich im niedrigen Gang zurück auf die ausgebaute Küstenstraße.
Bevor ich Porto Moniz am nördlichen Ende von Madeira erreichte, machte ich noch einen Abstecher nach Ribeira da Janela (Janela = übersetzt Fenster), einem Ort mit ein paar verstreuten Häusern, der am Ende eine Felsschlucht liegt, die ins Meer mündete. Zu sehen gab es nur ein kleines Wasserkraftwerk und die markant aus dem Meer hervorragende Felsnadel. Zu dieser Jahreszeit war ich hier bis auf einen Angler, der an dem Kiesstrand sein Glück versuchte, der einzige Mensch weit und breit.
Porto Moniz hatte da schon etwas mehr zu bieten. Nachdem ich wieder mal ein Tunnel hinter mir gelassen hatte, lag der als Badeort im Sommer beliebte Ort Porto Moniz, Madeiravor mir mit seinem durch eine lange Kaimauer geschützten Hafen. Direkt daneben ein altes Fort mit Aquarium und Hubschrauberlandeplattform. Daran anschließend begann die breite sich fast die ganze Lava-Schwimmbecken, Porto Moniz (Madeira)Bucht entlang ziehende Uferpromenade mit den ersten natürlich entstandenen Lava-Schwimmbecken (scheinbar im Sommer kostenlos zu benutzen; jetzt waren sie aber abgesperrt). Den Ausdruck Schwimmbecken würde ich für etwas übertrieben halten, denn es handelte sich eher um kleine flache Bade-Tümpel zwischen schroffen schwarzen Lavafelsen. Kleine Mäuerchen trennten die Becken vom offenen Meer, was die Beliebtheit im Sommer bei Familien mit Kindern erklärte, denn die umliegenden Kiesstrände waren wegen der oft recht rauen See an der Nordküste nicht unbedingt zu empfehlen. Auch ein Restaurant mit Terrasse befand sich hier, und so stärkte ich mit mitten zwischen erstarrter Lava und bei leiser Musik, die aus zwischen den Felsen versteckten Lautsprechern kam, mit einem kleinen Snack zu recht günstigen Preisen.
Am anderen Ende der Promenade gab es eine weitere Bademöglichkeit (Piscina Naturais). Etwas großzügiger gehalten mit größeren Becken und mit entsprechender Infrastruktur wie Duschen, Umkleiden und Liegeflächen, aber gegen geringe Eintrittsgebühr von 1,25€ (s. auch Video in unserer Film-Galerie).
Ansonsten war, außer ein paar Souvenirläden, Restaurants und ein paar Wohnhäusern bzw. Hotels, nicht viel mehr in Porto Moniz zu sehen. Der sehr einsam am äußersten Nordende von Madeira gelegene und touristisch kaum erschlossene Ort war wohl mehr ein Ziel für Individualisten und Wanderer, die die von hier aus mit dem Auto recht gut zu erreichenden Wandergebiete um Fanal, Rabacal und die Schlucht des Ribeiro da Kühe auf MadeiraJanela erkunden wollten. Wegen der fortgeschrittenen Zeit machte ich mich so langsam wieder auf den Rückweg nach Canico de Baixo. Vorbei an dem eigentlichen Ortkern mit der Bank, der Kirche und dem Gesundheitszentrum erreichte ich aufgrund der steilen Serpentinen mit meinem Auto schnell wieder an Höhe. Noch ein letzter Blick auf Porto Moniz und das Meer, bevor mich dann die kurvenreiche Landstraße immer weiter in Richtung Hochland führte. Plötzlich stand hinter einer Kurve mitten auf der zweispurigen Straße ein Kuh. Sie gehörte zu einer ganzen Herde, die hier frei herumlief und nach Futter suchte. Etwas skeptisch und sehr vorsichtig schlich ich vorbei, obwohl sie scheinbar, trotz des wenigen Verkehrs, an vorbeifahrende Autos gewöhnt war, denn sie drehte nur wie in Zeitlupe den Kopf mit den Hörnern ein wenig zu mir und schaute neugierig ins offene Autofenster. Glück gehabt. Nur so als Tipp: in diesem Bereich immer vorsichtig um Kurven fahren und mit unvermittelt auftauchenden Kuhherden rechnen! Diese Begegnung sollte nämlich für mich nicht die einzige bleiben.
In der Nähe des Parque Empresarial do Porto Moniz (scheinbar so was wie eine LKW-Werkstatt) traf ich auf die ER101, die ich nur ein Stück fahren musste, aber nicht zu lang, denn sonst hätte ich die Route über Ponta do Pargo und Calheta erwischt. Ich wollte aber über die Hochebene Paul da Serra. Leider ließ an der nächsten Straßengabelung die Beschilderung etwas zu wünschen übrig. Keinen der dort aufgeführten Orte fand ich auf der Karte und so folgte ich meinem Gefühl: links halten, obwohl es von der Richtung schon fast wieder nach Porto Moniz zurückzuführen schien. Mittlerweile wurde an manchen Stellen die Orientierung noch schwerer, denn ich bewegte mich inzwischen auf so einer Höhe, dass ich durch dichte tief hängende Wolken fuhr. Aber ich hatte die ER110 erwischt. Wieder Glück gehabt, denn fragen hätte ich hier niemanden können; ich bewegte hier weit und breit das einzige Auto. Und daran sollte sich auf den nächsten Kilometern bis zum Encumeada Pass auch so gut wie nichts ändern.
Die Vegetation änderte sich gewaltig. Nicht mehr die dichten Wälder links und rechts, wie sonst auf Madeira üblich, sondern nur noch knöchelhoher magerer Bewuchs. Auch ungewohnt: die Straße verlief kilometerlang nur geradeaus. Kurz hinter dem Abzweig nach Rabacal, einem beliebten Ziel für Wanderer (Zufahrt nur mit Pendelbus bzw. zu Fuß), Essen im Restaurant Atlantico, Madeiraerreichte ich eine gut ausgebaute fast rechtwinkelige Kreuzung. Hier trafen sich auf 1444m ü. N.N. Straßen aus vier Himmelsrichtungen und verbanden den Süden (etwa Ponta do Sol) mit dem Norden (Ribeira da Janela) und den Osten (bis zum Encumeada-Pass) mit dem Westen. Ein „Hochebenen-Video“ seht Ihr in unserer Madeira-Filmgalerie. Wer vorhatte, in dieser Gegend zu wandern, der sollte sich warm anziehen: das Autothermometer zeigte T-Shirt unfreundliche 5 Grad. Ein Blick auf die etwas später beidseitig der Straße gebauten zahlreichen Windräder zur Stromerzeugung blieben mir aufgrund des teilweise recht dichten Nebels versagt. Erst auf Höhe des Passes, an dem ich Richtung Ribeira Brava abbog, lichteten sich die Wolken wieder etwas. Je mehr ich mich der Südküste näherte, desto wärmer und sonniger wurde es auch, bis endlich wieder 22 Grad auf dem Display im Auto stand. Gut, dass wir die Südküste für unseren Hotelaufenthalt gewählt hatten, denn irgendwie war es hier immer schöner vom Wetter, als im Norden von Madeira.
Das letzte Stück meiner Tour war dank der Autobahn schnell bewältig und wir ließen, nun wieder zusammen, den den ereignisreichen Tag im Hotelrestaurant Atlantico bei einem leckeren Essen und danach mit einem guten Cocktail in der Capoeiro-Bar ausklingen.

Kapitel 9

Di., 29.11.11

Leider neigte sich unser Urlaub so langsam dem Ende zu und größere Touren standen nicht mehr an. In den vergangenen Tagen waren wir bei unseren Fahrten an die Santa Cruz, MadeiraOstküste bereits mehrmals bei Santa Cruz vorbeigekommen. Aber eben nur vorbeigekommen. Darum machten wir uns heute auf, bei bedecktem Himmel und 21 Grad den keine 10km entfernten Ort in der Nähe des Flughafens näher zu erkunden. Zu dieser Jahreszeit fanden wir auch problemlos einen zentralen Parkplatz. Zwar gegen Gebühr, aber die fiel mit 40 Cent pro Stunde recht gering aus. Nach ein paar Metern erreichten wir bereits eine kleine Markthalle mit einem Angebot an frischem Fisch, Fleisch, Obst und Gemüse und die dahinter verlaufende mit Palmen bepflanzte und sehr gepflegte Strandpromenade. Einige städtische Angestellte waren mit Säuberungsaktionen, Rasenmähen und Pflegen der blühenden Pflanzen beschäftigt. Der Strand war natürlich so, wie fast Santa Cruz, Madeiraüberall auf Madeira: grobkieselig und lud nicht so direkt zu einem Gang ins Meer ein. Aus diesem Grund hatte der Ort Santa Cruz nicht nur eine steinerne Brücke ins Meer hinein gebaut, um den Einstieg ins tiefere Wasser zu ermöglichen, sondern auch am östlichen Ende der Promenade zusätzlich eine öffentliche Badeanlage mit Schwimmbecken und Rutsche angelegt. Interessanterweise war diese Rutsche in einem steinernen Delfin versteckt. Wir folgten der schmaler werdenden mit Mosaiken verzierten Promenade bis fast unter die Landebahn des Flughafens, deren Anfang durch eine mächtige Stahlbetonkonstruktion und Pfeiler gestützt wurde. Diese baulichen Maßnahmen hatte man im Jahre 2000 ergriffen, um durch die Verlängerung der Bahn auch größeren Flugzeugen Starts und Landungen zu ermöglichen. Lange Santa Cruz, Madeirabrauchten wir nicht zu warten, bis der erste Flieger in niedriger Höhe über der Bucht im Anflug war und kurze Zeit später über unsere Köpfe hinweg schwebte. Von hier aus hatte man auch einen guten Blick über die Bucht und den zweitältesten Ort von Madeira, in dem es bis auf zwei Ausnahmen keine größeren Hotels gab. Diese Hotels lagen am westlichen Ende der Promenade, von wo aus man zu Fuß durch einen kleinen Tunnel zum Hafen gelangen konnte.
Das Zentrum von Santa Cruz rund um die Kirche „Sao Salvador“, der größten Madeiras nach der Kathedrale Sé in Funchal, machte mit seinen engen Gässchen zwischen weiß getünchten niedrigen Häusern, seinen Plätzen und Grünanlagen einen netten Eindruck. Deshalb, und weil es an der Strandpromenade keine Einkehrmöglichkeit gab, ließen wir uns zu einem Getränk auf dem Kirchplatz, direkt neben einem kleinen Park, nieder und beobachteten in aller Ruhe das Treiben. Unterbrochen wurde die Ruhe nur manchmal durch die niedrig anfliegenden Flugzeuge. Von der nahen Autobahn, die den Ort nach Norden begrenzte, war hier dagegen nichts zu hören.
Wieder zurück im Hotel Galosol in Canico de Baixo machten wir uns dann fertig, um im Restaurant Atlantico direkt oberhalb des Meeres unser Abendessen einzunehmen. Es war wirklich lecker. Probiert es mal; wir hatten „Baby-Chicken in the pot“ und ein saftiges Pfeffersteak :-).
Kaum wieder im Zimmer ergoss sich plötzlich ein Regenschauer vom Himmel, der es in sich hatte. Es schüttete wie aus Eimern, die Luft blieb aber warm. Mit sowas musste man auf Madeira um diese Jahreszeit schon mal rechnen, aber solche Schauer waren meist nur von kurzer Dauer und hatten auch keine großartigen Auswirkungen auf das weitere Wetter. Jedenfalls an der Südküste. An der Nordküste konnten sich die Wolken schon mal am Gebirge festhängen.


Mi., 30.11.11

Unser letzter richtiger Urlaubstag war angebrochen. Wir genossen nochmal bei milden Temperaturen den herrlichen Blick von unserem Balkon auf das Meer, schlenderten ein wenig durch die Grünanlage des Galo-Resorts, nahmen einen Mittagssnack im Capoeiro-Pub unter freiem Himmel ein… - Was man halt so macht, Innenpool, Hotel Galosolwenn man wusste, dass es damit bald vorbei sein sollte und uns in Deutschland wieder kalte Dezember-Temperaturen und Regen erwarten würden. Aber bevor es an das leidige Thema Kofferpacken ging und alle Badesachen unerreichbar waren, nutzten wir noch den schön gestalteten Innenpool des Galo-Resorts mit Gegenstromanlage, Whirlpool und anschließendem Saunabereich.
Als sich schließlich der Tag dem Ende zu neigte und die Sonne im Meer versunken war, ließ sich das Einpacken der Urlaubssachen doch nicht mehr vermeiden. Plötzlich wurde ich aber von einem lauten Brummen aufgeschreckt. Wir schauten aufs Meer und sahen zum Greifen nah ein beleuchtetes AIDA-Kreuzfahrtschiff vorbeifahren. So dicht war noch kein großes Schiff an unserem Hotel vorbeigekommen. Da es sich um ein Schwesterschiff „unserer“ AIDAluna handelte, mit der wir in der Karibik waren, wurden gleich viele schöne Erinnerungen an unsere Kreuzfahrt wach.
Es half alles nichts, unser Urlaub auf Madeira war zu Ende.
Zum Abschluss des Reiseberichts noch eine kleine Zusammenfassung unser markantesten Eindrücke von 14 Tagen auf der Blumeninsel mitten im Atlantik: sehr grüne Insel (blühende Pflanzen aber auch hier im Winter nur eingeschränkt vorhanden), abwechslungsreich, Hauptstadt immer einen Besuch wert, ideales Winter-Fluchtziel, angenehmes Klima, an der Nordküste immer etwas bedeckter und kühler als an der Südküste, für einen reinen Badeurlaub wegen der Steinstrände nicht so geeignet (Tipp: Nachbarinsel Porto Santo mit langen Sandstränden), ideal für begeisterte Wanderer, tolles Hotel in einmaliger Lage (wenn es nicht gerade renoviert wird), tolles Revier für etwas erfahrene Motorradfahrer.
Aber Achtung Motorradfahrer: in der Hinsicht besteht auf dieser portugiesischen Insel Infektionsgefahr ;-))).


Viel Spaß noch beim Träumen ;-)
Gruß
Grit und Dirk

P.S.: Für Euer Feedback zum Reisebericht (Lob oder Tadel gern gesehen!) steht Euch das GÄSTEBUCH zur Verfügung.
Für Fragen zum Urlaub auf Madeira nutzt bitte unser MADEIRA-FORUM !!!




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